7 WIRKSAME TIPPS UM DEIN KIND DURCH EINEN WUTANFALL ZU BEGLEITEN

Kennt Ihr das: Euer Kind kommt von der Schule nach Hause, pfeffert den Rucksack in die Ecke, meckert über das Essen und beginnt grundlos Euch alles Mögliche vorzuwerfen? Puuh da heisst es wieder einmal Blitzableiter spielen! Aber warum ist das überhaupt so, dass unser nächstes Umfeld bzw. die die wir am meisten lieben immer unsere miesen Launen ertragen müssen?

Gerade bei Kindern mit ADHS sehe ich in meiner Tätigkeit oft, dass die Stressschutzreflexe noch aktiv sind. Dies bedeutet die Kinder können die Eindrücke und das Erlebte nicht filtern, nehmen alles auf was um sie herum passiert. Das ist unheimlich anstrengend, und sie benötigen ihre ganze Energie in der Schule um sich einigermassen „im Griff“ zu haben. Die Kinder brauchen dann 10x mehr Energie um sich auf etwas zu konzentrieren als wir! Es ist also kein Wunder, dass wenn sie nach Hause kommen der Akku total leer ist und schon die kleinste Aufregung einen Tornado auslösen kann!

Kennt Ihr das auch, wenn ihr nach Hause kommt von der Arbeit, vielleicht hat Euch Euer Chef oder ein Kunde zusammengestaucht und ihr beim kleinsten „Fehler“ Eures Partners zu motzen beginnt! Im Nachhinein denkt ihr, „Hä, was war denn da los?“ Was wünscht Ihr Euch in dieser Situation von Eurem Partner, wie sollte er/sie reagieren? Zurückschreien oder doch lieber mit „Ich sehe du bis aufgewühlt….“

Oftmals ist es doch so, dass wir uns nicht trauen vor unserem Chef oder den Kunden ehrlich unsere Meinung zu sagen, also nehmen wir das einfach mal so hin. Doch die Gedanken kreisen weiter um das Thema, wir sind verletzt oder gekränkt. Wir haben das Gefühl es nicht richtig machen zu können oder geben uns die Schuld im Sinne von „Warum hast du nicht“. Wenn wir nach Hause kommen müssen wir diesen Ballast irgendwie loswerden, uns entladen! Vor unserer Familie können wir dann uns selber sein mit allen Ecken und Kanten! Weil wir uns dort sicher und angenommen fühlen, wir brauchen keine Angst zu haben, das uns gekündigt wird oder wir einen Auftrag verlieren!

Genauso geht es unseren Kindern, sie müssen in der Schule funktionieren weil sie sonst mit Konsequenzen rechnen müssen und zu Hause geht das Feuerwerk los, unbewusst testen sie uns: „Bist du ehrlich und durchschaubar für mich?“„Kann ich mich auf dich verlassen, egal wie ich mich benehme?“

Im Zusammenhang mit unseren Kindern haben mir folgende Punkte geholfen:

1. Wut anerkennen
„Ich sehe du bist jetzt unheimlich wütend und es gibt sicher einen guten Grund dafür“ Oder noch besser, den Grund benennen warum das Kind wütend ist, sofern man diesen kennt, z.B. „Ich sehe du bist jetzt total wütend weil deine Schwester heute mit einer Freundin zum Spielen verabredet ist und du zu Hause bleiben musst“

2. Klarheit
Wenn das Kind anfängt zu schlagen, sein Gefühl benennen aber auch sich klar abgrenzen im Sinne von: „Es ist ok wenn du wütend bist, aber ich akzeptiere nicht dass du mich schlägst oder mir weh tust! Deshalb ziehe ich mich jetzt zurück.“ und gehe dann aus dem „Schussfeld“

3. STOP-Schild
Wir haben für jeden ein Stop-Schild gebastelt um dem Gegenüber mitzuteilen, jetzt ist es genug für mich, das ist mir zu viel, manchmal helfen klare Signale mehr als Worte!

4. Alles steht Kopf
Als die Kinder noch kleiner und leichter waren, habe ich sie, wenn sie wütend waren an den Füssen gehalten und über Kopf sanft ausgeschüttelt! Sie fanden das so lustig, dass sie gar nicht mehr wütend sein konnten!
Aber Achtung, wichtig ist, dass ihr das vor einem Wutausbruch ausprobiert ob es für dein Kind passt! Wenn die Kinder grösser sind, wird das Schütteln über Kopf etwas schwieriger, was aber immer geht, ist sich selbst im Stehen durchzuschütteln, am besten einfach vormachen :o)

5. Ich oder du?
Unsere Kinder sind mein Spiegel, oftmals schaue ich dann zuerst bei mir, bin ich vielleicht wütend oder unzufrieden? Was war heute los? Was hat mich heute genervt?
Oftmals stelle ich dann fest dass ich innerlich total aufgewühlt bin und die Kinder das dann übernehmen (Huch dann muss ich wohl zuerst bei mir Ordnung machen :o)

6. In einer ruhigen Minute
Sich mit dem Kind hinsetzen und Alternativen besprechen, wenn wir wütend sind, was können wir dann machen um die Wut loszuwerden anstelle anderen weh zu tun?
Bei unseren Kindern kommt dann das Trampolin zum Zug, andere verwenden einen Boxsack oder Wutbälle. Aber Achtung, wenn ich jetzt wütend bin oder genervt und herum schreie, höre ich dann: „Mami, geh aufs Trampolin“ :o)

7. Superhelden-Tagebuch
Am Abend füllen wir gemeinsam unser Superhelden-Tagebuch aus, um den Tag mit einem schönen Gefühl abzuschliessen.
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Wichtig bei allen Punkten ist, probiert einfach aus, was stimmt für Euch, was nicht? Die Kinder spüren das sowieso und werden das was sich für Euch nicht richtig anfühlt auch nicht annehmen.

Eine neue Gewohnheit zu integrieren braucht Zeit, bei Euch und Euren Kindern! Manchmal klappt es und manchmal nicht! Wenn ich den Kopf voll habe, gelingt es mir auch nicht cool zu bleiben, dann schrei ich einfach drauf los. Im Nachhinein überlege ich dann, was war denn da los? Wenn ich herausgefunden habe, was der eigentliche Grund meines Ausrasters war, gehe ich zu meinen Kids und entschuldige mich dafür bzw. erkläre ihnen warum ich gerade ausgeflippt bin! Wichtig ist, dass ihr echt seid und zu euren Gefühlen steht!

Bleibt neugierig!

Herzlichst Katinka